Ausbildungszentrum Braunau GmbH
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„I håb wås g’lernt!“

25 Jahre ABZ Braunau - 25 besondere Karrieren

Die etwas andere Jubiläumsfeier

Mit der Schließung der AMAG-Lehrwerkstätte im Jahr 1995 begann die Erfolgsgeschichte des ABZ Braunau. Nach 25 Jahren blicken wir im Jubiläumsjahr auf viele zu Profis ausgebildete Lehrlinge zurück. Das Jubiläumsjahr stellt sich dabei etwas anders dar, als wir es geplant hatten, die geplante Jubiläumsfeier kann wegen der Coronapandemie leider nicht stattfinden, deshalb holen wir stattdessen jene Menschen vor den Vorhang, um die es im ABZ geht. Zum Start der Portraitserie nimmt uns Günter Weibold, erster Geschäfsführer des ABZ Braunau, mit in die Vergangenheit und erzählt, wie er die Anfänge des ABZ 1995 erlebt hat.

 

Zurück im Jahr 1994

Die Stimmung in Braunau war nicht besonders positiv, als die AMAG die werkseigene Lehrwerkstätte in den 1990er-Jahren schloss und auch der Elektronikkonzern Telefunken mit seinem Braunauer Werk nach Asien abwanderte. Günter Weibold, erster Geschäftsführer des ABZ Braunau, erinnert sich an die turbulente Zeit: „Die damals ausgesendeten Signale waren fatal für die im Krisenmodus befindliche Region.“ Seit 1992 war er Leiter der AMAG-Lehrwerkstätte, 1993 wurden keine Lehrlinge mehr aufgenommen, 1994 nur wenige. „Die Situation gipfelte darin, dass die Lehrwerkstätte mit damals 100 Lehrlingen Ende 1994 schließen sollte“, spricht er von der damaligen Lage. Weibold, damals nebenberuflich Bezirksstellenleiter des BFI Braunau, wies in den Gremien auf die prekäre Situation hin. Händeringend suchte man nach einer Lösung, um die Lehrlingsausbildung in der Region halten zu können. Die intensiven Bemühungen zahlten sich aus; BFI und AMAG gründeten 1995 schließlich das ABZ Braunau. Im ehemaligen Telefunkengebäude fand man zudem Platz für die künftige Lehrlingsausbildung. Seither steht das ABZ Braunau für hochwertige Fachkraftweiterbildungen und verantwortet auch die Lehrlingsausbildung renommierter Unternehmen, wie der AMAG, HAI, Borbet u. v. m.

 

Es geht los

Günter Weibold erinnert sich noch gut, wie es zur Gründung des ABZ kam: „Fritz Freyschlag, damaliger Präsident der AK, war es, der darauf drängte, die Lehrlingsausbildung zu erhalten. Es war angedacht die Lehrwerkstätte am Standort zu halten, jedoch als Gesmbh auszugliedern. In diese Richtung gehend, wurden die Verhandlungen aufgenommen. Gerhard Skiba, damaliger Bürgermeister von Braunau, brachtet sich stark ein und auch die Idee, das leerstehende Telefunkengebäude zu erwerben, kam von ihm. Das Bfi, unter dem damaligen Direktor Hermann Kepplinger, nahm das Risiko auf sich und stimmte dem Erwerb des gesamten Gebäudes zu.“ Die GmbH-Variante wurde weiterverfolgt und alle rechtlichen Schritte eingeleitet. Die Zeit vom Schließungsbeschluss der Lehrwerkstätte bis zum Jahresende war geprägt von der Erstellung von modularen Ausbildungsplänen für alle Ausbildungsberufe im Metall- und Elektrobereich. Ähnliche Ausbildungseinrichtungen und überbetriebliche Lehrwerkstätten in Österreich wurden besucht, wobei das Konzept des AWZ Leoben-Donawitz den Vorstellungen sehr nahekam. Auch die Vernetzung mit den Ausbildungsleitern war sehr hilfreich. Genaue Übersiedlungspläne mussten erstellt werden und der Ausbildungsbetrieb parallel aufrechterhalten werden. Mit Jahresende 1994 wurden die Mitarbeiter und die Mitarbeiterin gekündigt und arbeiteten bis 30. April 1995 über die ALU Stiftung an der Einrichtung des ABZ. Am 27. November 1994 wurde der Gesellschaftervertrag zwischen dem BFI, Dir. Friedl und AMAG, Generaldirektor Hammerer, notariell beurkundet. Die Gesellschafteranteile wurden mit 20% AMAG und 80% BFI OÖ festgelegt. Am 2. Mai 1995 fand die Eröffnung unter Baustellenbedingungen statt.

 

 

 

Wie war das damals?

Interview mit Günter Weibold, ehemaliger Geschäftsführer des ABZ Braunau

 

Redaktion: Mit welchen Herausforderungen sah sich das ABZ Braunau damals konfrontiert?

Günter Weibold: Uns war bewusst, dass nur eine hervorragende und industrienahe Ausbildung Erfolg bringen kann und darauf haben wir unsere ganze Kraft gesetzt. Es war wirklich kräfteraubend. Das ABZ hatte aber auch eine regionale Aufgabe zu bewältigen und so wurden Kontakte zu anderen Firmen gesucht und unser modulares Ausbildungsmodell angeboten. Ein Wermutstropfen war damals, dass, trotz gemeinsamer Anstrengungen von Dir. Katzinger und mir, die Berufsschule für Metall und Elektro in Braunau geschlossen wurde und die Lehrlinge für jeweils vier Wochen ins Internat nach Linz mussten. Unzählige Firmeneinladungen, Präsentationen und Fachseminare in der Region wurden abgehalten, dort präsentierten wir unsere Kompetenz und Expertise.

 

Redaktion: Wie hat sich das ABZ Braunau in den ersten Jahren des Bestehens entwickelt?

Günter Weibold:Durch die Kompetenz und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter war das ABZ von Anfang an erfolgreich unterwegs und konnte schon im ersten Jahr positiv abschließen. Die schwarzen Zahlen der Folgejahre macht es möglich, Investitionen in modernste Maschinen und Anlagen zu tätigen und den Ruf als Kompetenzzentrum zu festigen und weitere Firmen als Partner zu gewinnen.

Redaktion: Was waren für Sie die entscheidenden Meilensteine in der Entwicklung des ABZ Braunau in den letzten 25 Jahren?

Günter Weibold: Durch den leider schon verstorbenen Siegmund Kanduth hat sichder Name ABZ in der Verbindungstechnologie (schweißen) einen herausragenden Ruf erworben. Besonders die Partnerschaft mit Fa. Fronius war sehr befruchtend. So standen im ABZ Schweißgeräte der modernsten Art, die es den Lehrlingen ermöglichten auf neuesten Geräten industrienahe zu arbeiten. Auch die im ABZ abgehaltenen und immer überlaufenen Schweissfachtagungen zogen Experten aus ganz Österreich an. Im Bereich der Zerspanungstechnologie war das ABZ mit modernsten CNC Maschinen federführend. Diese damals eingeleitete Investitionspolitikführte dazu, dass heute die Zerspanung des ABZ unter Dieter Geisberger und Martin Weiss ein Heidenhain Schulungszentrum (unter Eingeweihten, die höchste Auszeichnung und Kompetenzzuschreibung) ist.

Die Investitionen in Speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) versetzten das ABZ in die Lage die Kompetenz in der Steuerungstechnik auch in der Facharbeiterweiterbildung einzusetzen. Diese Kontinuität und hervorragendes Personal, das nach und nach aufgebaut werden konnte und sich fortlaufend weiterbildete, waren der Grundstein für ein bis heute erfolgreiches ABZ.

 

Redaktion: Welche Besonderheiten sehen Sie bei der Ausbildung im ABZ, damals und heute?

Günther Weibold: Die Besonderheit damals wie heute ist eigentlich das System der modularen Ausbildung. Dadurch ist es möglich Ausbildungen komplett, durch Aneinanderreihung von Modulen oder speziell als Einzel-oder Zusatzausbildung zu absolvieren. Das gewährleistet hohe Flexibiliät. Früher war die Einteilung der Module natürlich durch die dünne Personaldecke eine Herausforderung. Heute liegt wahrscheinlich die Herausforderung in der Fülle der Ausbildungsangebote.

 

Redaktion: Wenn Sie an Ihre Zeit im ABZ Braunau zurückdenken, woran erinnern Sie sich besonders gerne?

Günter Weibold: Besonders gerne erinnere ich mich an das freundschaftliche, kameradschaftliche und wertschätzende Betriebsklima. An die Offenheit Meinungen zu diskutieren und an die Freude, wenn es Erfolge zu feiern gab. Auch das Vertrauen meiner Vorgesetzten und der Gesellschafterversammlungen in mich waren sehr motivierend für meine Tätigkeit.

 

Redaktion: Wenn Sie Ihre persönliche Bilanz zum ABZ Braunau ziehen, wie sieht sie aus?

Günter Weibold: Ich bin der Meinung, dass das, was hier die Regionalpolitik ermöglicht hat, zum Nutzen für die Region war und ist. Gerade im Lichte des sich auch schon damals abzeichnenden Fachkräftemangels war es wichtig und richtig so zu handeln. Persönlich bin ich dankbar, dass ich ein Teil dieser Erfolgsgeschichte sein durfte.

 

Redaktion: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des ABZ Braunau?

Günter Weibold: Für die Zukunft des ABZ wünsche ich mir, dass diese Expertise und Kompetenz weiterhin bestehen bleibt und von der Region auch als solche wahrgenommen wird.